Machst du die Motorhaube eines modernen Autos auf, blickst du auf ein plastikverkleidetes Labyrinth, das dich scheinbar aussperren soll. Das tut es aber nicht. Unter den Abdeckungen enthält jeder Motorraum dieselben gut Dutzend Bauteile – und du kannst sie alle in zehn Minuten kennenlernen.

Das ist der erste Schritt, um selbst am eigenen Auto zu arbeiten: zu wissen, was man vor sich hat. Du brauchst kein Werkzeug. Parke einfach auf ebenem Untergrund, lass den Motor abkühlen, ziehe die Entriegelung der Motorhaube (meist ein Hebel im Fahrerfußraum) und finde den Sicherheitsfanghaken unter der Kante der Haube.

Zuerst die Sicherheitsregeln

Drei Dinge im Motorraum können gefährlich werden. Lerne sie kennen, bevor du irgendetwas anfasst.

Hitze. Der Abgaskrümmer – wo die verbrannten Gase den Motor verlassen, meist an der Vorder- oder Rückseite des Motorblocks – kann unter Last über 500 °C heiß werden und bleibt nach dem Abstellen noch 20 bis 30 Minuten lang gefährlich heiß. Der Kühler und seine Schläuche erreichen 90–100 °C. Daumenregel: Wenn das Auto in der letzten halben Stunde lief, gehe davon aus, dass alle Metallteile heiß sind.

Druck. Das Kühlsystem steht im warmen Zustand unter Druck. Wenn du den Deckel des Kühlmittelbehälters bei heißem Motor öffnest, können dir brühend heißer Dampf und Kühlflüssigkeit entgegenfliegen. Öffne ihn ausschließlich bei eisgekühltem bzw. komplett kaltem Motor.

Rotation. Bei laufendem Motor drehen sich der Keilrippenriemen und die Lüfter so schnell, dass sie Finger abtrennen können. Greife niemals mit weiten Ärmeln, Schal oder Lanyard in einen laufenden Motorraum. Für alles in dieser Übersicht sollte der Motor ohnehin ausgeschaltet sein.

Noch ein Hinweis für Hybrid- und Elektroautobesitzer: Alles, was orange ist, steht unter Hochspannung – je nach Fahrzeug etwa 200 bis 800 Volt. Orangefarbene Kabel, orangefarbene Stecker, orangefarbene Warnaufkleber. Niemals anfassen, niemals durchschneiden, niemals Werkzeug darauf ablegen. Alles Andere in diesem Ratgeber gilt trotzdem auch für dein Auto.

Der Motor selbst

Der große Klotz in der Mitte ist der Motorblock, oben abgeschlossen durch den Ventildeckel – obwohl du bei den meisten Autos ab Baujahr 2010 nur eine Plastik-Motorabdeckung mit dem Herstellerlogo siehst. Sie lässt sich meist einfach nach oben abziehen und wird von Gummitüllen gehalten. Nimm sie ruhig ab; sie dient nur der Optik und der Geräuschdämmung, mehr nicht.

Der Motor verbrennt Kraftstoff und Luft, um eine Kurbelwelle in Drehung zu versetzen. Das ist schon alles. Alles Andere im Motorraum existiert nur, um ihn zu versorgen (Luftfilter, Kraftstoffsystem), zu kühlen (Kühler, Kühlmittel), zu schmieren (Öl) oder deine Nebenaggregate anzutreiben (Riemen, Lichtmaschine).

Gesund sieht so aus: trocken und staubig. Ungesund sieht so aus: nass. Ölschwitzen an den Rändern der Ventildeckeldichtung ist die häufigste Undichtigkeit bei älteren Autos – ein dunkler, fettiger Film an der Stelle, wo Deckel und Block aufeinandertreffen. Ein leichtes Schwitzen ist ab 150.000 km normal; echte Tropfen sind es nicht.

Öleinfülldeckel und Ölmessstab

Der Einfülldeckel sitzt oben auf dem Ventildeckel, meist gekennzeichnet mit einem Ölkännchen-Symbol und oft auch der Ölviskosität (wie 5W-30). Hier wird Öl nachgefüllt. Der Ölmessstab – ein Schlaufen- oder T-förmiger Griff, oft gelb oder orange (ein anderes Orange; es ist Plastik, kein Hochvoltkabel) – dient dazu, den Füllstand zu messen.

Ziehe den Ölmessstab heraus, wische ihn ab, stecke ihn wieder vollständig hinein, ziehe ihn erneut heraus und lies den Stand zwischen den MIN- und MAX-Markierungen ab. Gesundes Öl ist bernsteinfarben bis dunkelbraun und reicht mindestens bis zur Hälfte der Markierungen. Warnzeichen: Stand unter MIN, tiefschwarzes und krümeliges Öl oder – der ernste Fall – ein milchiger, mayonnaiseartiger Film unter dem Einfülldeckel, was darauf hindeuten kann, dass sich Kühlmittel mit dem Öl vermischt.

Manche Autos (viele BMWs, einige neuere Modelle) haben gar keinen Ölmessstab mehr und zeigen den Ölstand im Cockpit an. Schau in dein Handbuch, falls du keinen findest.

Kühlmittel-Ausgleichsbehälter

Ein lichtdurchlässiger Kunststoffbehälter, meist etwas seitlich platziert, mit eingeprägtem MIN und MAX sowie einem Deckel mit Dampfwarnsymbol. Kühlmittel – eine Mischung aus Frostschutzmittel und Wasser – leitet die Hitze vom Motor zum Kühler. Es verhindert außerdem, dass das System im Winter einfriert oder ganzjährig korrodiert, weshalb man nicht einfach Leitungswasser verwenden darf.

Gesund: Füllstand im kalten Zustand zwischen den Markierungen, Flüssigkeit kräftig gefärbt (rosa, orange, blau oder grün, je nach Spezifikation) und klar. Ungesund: Stand unter MIN, rostbraune Farbe, öliger Film auf der Oberfläche oder weiße krustige Ablagerungen um den Deckel – getrocknetes Kühlmittel, das auf ein schleichendes Leck hinweist.

Der Deckel bleibt zu, es sei denn, der Motor ist kalt. Keine Ausnahmen. Ein Fünf-Liter-Kanister fertiges Kühlgemisch kostet etwa 10–20 € ($12–23), aber der Typ muss zu deinem Auto passen – das Mischen inkompatibler Kühlmittel kann zu schlammigen Verklumpungen führen.

Bremsflüssigkeitsbehälter

Ein kleinerer, lichtdurchlässiger Behälter, der oben auf der Fahrerseite an der Rückwand des Motorraums (der Spritzwand) direkt auf dem Hauptbremszylinder sitzt. Der Deckel ist meist gelb oder schwarz und mit DOT 4 oder DOT 5.1 gekennzeichnet.

Trittst du auf das Bremspedal, überträgt diese Flüssigkeit die Kraft auf die Bremsen an jedem Rad. Es ist die absolut sicherheitsrelevanteste Flüssigkeit im Auto, und sie hat eine Schwachstelle: Sie ist hygroskopisch, nimmt also Feuchtigkeit aus der Luft auf. Wasser in der Bremsflüssigkeit senkt ihren Siedepunkt – und kochende Flüssigkeit führt dazu, dass das Pedal ohne Wirkung bis zum Boden durchtritt. Deshalb wird Bremsflüssigkeit unabhängig von der Laufleistung etwa alle zwei Jahre gewechselt.

Gesund: Füllstand zwischen MIN und MAX, Flüssigkeit blassgelb und klar. Nur hinschauen, nicht öffnen – der Behälter ist versiegelt, um Feuchtigkeit fernzuhalten. Ein langsam sinkender Füllstand bedeutet meist, dass sich deine Bremsbeläge abnutzen (die Flüssigkeit füllt den Raum hinter den Kolben aus), während ein schneller Abfall auf ein Leck hindeutet. So oder so: Ursache prüfen, nicht einfach nachfüllen. Ausführliche Details zu allen Flüssigkeiten findest du in unserem Flüssigkeiten-Ratgeber.

Wischwasserbehälter

Der Deckel mit dem Windschutzscheiben- und Sprühsymbol, meist blau. Er führt zu einem Behälter, der oft im Kotflügel versteckt ist. Das ist die eine Flüssigkeit, bei der du wirklich nichts falsch machen kannst: Scheibenreiniger einfüllen, bis er voll ist.

Verwende richtigen Scheibenreiniger, nicht nur Wasser – er verhindert das Einfrieren des Behälters und entfernt Insekten sowie Schmutzfilm, die Wasser nur verschmieren würde. Konzentrat kostet 3–8 € ($4–9) pro Flasche und ergibt verdünnt viele Liter. In den meisten Ländern Europas kann das Fahren mit leerer Scheibenwaschanlage sogar zum Durchfallen bei der Hauptuntersuchung führen, und im Winter ist es ein echtes Sichtrisiko.

Batterie

Ein Kunststoffkasten, etwa so groß wie ein Schuhkarton, mit zwei Polen: Rot oder + ist Plus, Schwarz oder – ist Minus. Sie startet den Motor und puffert das Bordnetz. Bei manchen Autos versteckt sie sich im Kofferraum oder unter einem Sitz, sodass sich im Motorraum nur ein externer Pluspol-Anschluss befindet.

Gesund: saubere Pole, feste Klemmen, kein Geruch. Ungesund: weißer oder blaugrüner, krustiger Belag an den Polen (stört beim Laden und Starten), ein aufgeblähtes Gehäuse oder ein Geruch nach faulen Eiern – Letzteres bedeutet: sofort anhalten und prüfen lassen, die Batterie fällt gefährlich aus.

Batterien halten etwa 4 bis 7 Jahre. Ein Standard-Ersatz kostet 70–150 € ($80–170); Autos mit Start-Stopp-System benötigen teurere EFB- oder AGM-Batterien für 110–280 € ($125–320), und bei vielen modernen Autos muss die neue Batterie elektronisch angelernt werden. Das gesamte Ladesystem – Lichtmaschine, Sicherungen, Masseverbindungen – behandeln wir in unserem Ratgeber zur Fahrzeugelektrik.

Sicherungskasten

Ein rechteckiger Plastikdeckel, meist in der Nähe der Batterie, oft mit einer Belegungsübersicht auf der Innenseite des Deckels. Sicherungen sind Sollbruchstellen: Wenn ein Stromkreis zu viel Strom zieht, schmilzt die Sicherung, anstatt dass die Verkabelung Feuer fängt.

Du musst ihn heute nicht anfassen. Wisse einfach, wo er ist, denn an dem Tag, an dem deine Scheinwerfer oder die Hupe ausfallen, ist eine 0,50-€-Sicherung der erste Verdächtige. Die meisten Autos haben einen zweiten Sicherungskasten im Innenraum.

Luftfilterkasten

Ein schwarzer Kunststoffkasten, etwa so groß wie eine große Brotdose, mit einem dicken Schlauch, der zum Motor führt. Darin befindet sich ein Papierfilter, der jeden Liter Luft reinigt, den der Motor einatmet – und ein Motor atmet bei hoher Fahrt Tausende Liter pro Minute ein.

Die meisten Luftfilterkästen lassen sich mit einfachen Federklammern oder ein paar Schrauben öffnen. Mach ihn auf und schau nach: Ein gesunder Filter ist weiß bis hellgrau. Ein dreckiger ist dunkelgrau bis schwarz und voller Blätter und Insekten. Ein verstopfter Filter schnürt dem Motor die Luft ab, was den Kraftstoffverbrauch und das Ansprechverhalten verschlechtert. Das Teil kostet 10–30 € ($12–35) und der Wechsel dauert fünf Minuten – es ist der klassische erste DIY-Job, eben weil man kaum etwas falsch machen kann.

Keilrippenriemen

Schau seitlich am Motor hinab (meist auf der Beifahrerseite) und du siehst einen einzelnen gerippten Gummiriemen, der sich um mehrere Riemenscheiben schlängelt. Er wird von der Kurbelwelle angetrieben und versorgt die Lichtmaschine, bei vielen Autos die Wasserpumpe, den Klimakompressor und, falls vorhanden, die Servopumpe.

Wenn dieser Riemen reißt, fallen die Batterieladung und oft auch die Kühlung innerhalb von Minuten aus – ein Grund zum sofortigen Anhalten. Gesund: leise, mit einer glatten Rippenoberfläche. Ungesund: Quietschgeräusche beim Kaltstart, sichtbare Risse quer zu den Rippen, ausgefranste Kanten oder eine verglaste, glänzende Oberfläche. Worauf du im Detail achten musst: unsere Sichtprüfung des Keilrippenriemens.

Servolenkung und Getriebeölmessstab – manchmal

Zwei Bauteile, die du vielleicht findest oder auch nicht. Ältere Autos mit hydraulischer Servolenkung haben einen kleinen Behälter, dessen Deckel mit einem Lenkradsymbol gekennzeichnet ist; die meisten Autos seit Mitte der 2010er Jahre nutzen eine elektrische Servolenkung, da gibt es also nichts zu prüfen. Fahrzeuge mit Automatikgetriebe haben manchmal einen zweiten Ölmessstab mit rotem Griff für die Getriebeflüssigkeit – aber die meisten modernen Automatikgetriebe sind versiegelt und haben überhaupt keinen Messstab.

Wenn dein Auto diese Bauteile nicht hat, ist das kein Fehler. Es ist einfach eine neuere Konstruktion.

Unterschiede bei Diesel und Hybrid

Diesel: Der Aufbau ist nahezu identisch. Keine Zündkerzen – Dieselmotoren zünden den Kraftstoff allein durch Kompression und nutzen Glühkerzen nur als Kaltstarthilfe. Oft findest du einen gut sichtbaren Kraftstofffilter (Dieselmotoren reagieren empfindlich auf Kraftstoffverunreinigungen) und eine wuchtigere Motorabdeckung. Jede Prüfung in diesem Ratgeber gilt unverändert.

Hybrid: Hier hast du zwei elektrische Systeme. Die normale 12-V-Batterie aus diesem Rundgang existiert weiterhin und versorgt Schlösser, Licht und Steuergeräte. Die Traktionsbatterie, die das Auto antreibt, ist separat, versiegelt und über diese leuchtend orangefarbenen Kabel verbunden. Fasse niemals etwas Orangenes an – es ist ein 200- bis 800-Volt-System und selbst für geübte Heimwerker absolut tabu. Die Verbrennermotor-Seite (Öl, Kühlmittel, Filter, Riemen) wird exakt wie bei jedem anderen Auto geprüft.

Dein monatlicher 5-Minuten-Check unter der Haube

Mach das einmal im Monat bei kaltem Motor und eben stehendem Fahrzeug. Halte die Werte fest und du wirst Trends erkennen – ein Kühlmittelstand, der jeden Monat ein wenig sinkt, ist ein schleichendes Leck, das sich frühzeitig ankündigt.

  1. Öl – Messstab herausziehen, abwischen, wieder einstecken, ablesen. Zwischen den Markierungen? Gut. Füllstand notieren.
  2. Kühlmittel – Ausgleichsbehälter mit den MIN/MAX-Markierungen abgleichen. Nicht öffnen.
  3. Bremsflüssigkeit – Füllstand auf einen Blick prüfen. Sinkt er? Termin für eine Inspektion machen.
  4. Wischwasser – auffüllen. Hier kannst du wirklich nichts falsch machen.
  5. Batterie – ein kurzer Blick auf die Pole bzgl. Korrosion.
  6. Allgemeiner Check – etwas nass, etwas ausgefranst, irgendein neuer Geruch? Starte dann den Motor und höre zehn Sekunden lang hin: Quietschen und Rappeln, die letztes Monat noch nicht da waren, sind wichtige Informationen.

Das war's schon. Sechs Blicke, fünf Minuten – und du kennst deinen Motorraum jetzt besser als die meisten Autofahrer jemals. Wenn du diese monatlichen Füllstände in GarageHub erfassst, erstellt die App einen Verlauf für jedes Auto. Wenn also der Kühlmittelstand abweicht oder der Ölverbrauch ansteigt, siehst du das Muster, anstatt nur zu raten.

Wenn die Motorhaube das nächste Mal hochgeht, wird dort unten nichts mehr ein Rätsel für dich sein.