Dein Auto benötigt verschiedene Flüssigkeiten, um sicher und effizient zu laufen. Sie regelmäßig zu überprüfen, ist eine der effektivsten vorsorglichen Wartungsgewohnheiten, die du dir aneignen kannst – es dauert nur 10–15 Minuten, kostet nichts und kann kleine Probleme erkennen, bevor sie teuer werden. Dieser Ratgeber führt dich durch alle Flüssigkeiten unter deiner Motorhaube.

Bevor du anfängst

Parke auf einer ebenen, waagerechten Fläche, damit die Füllstände genau abgelesen werden können. Wenn du gerade gefahren bist, lasse den Motor 15–20 Minuten abkühlen, bevor du das Kühlsystem anfasst – es steht unter Druck, wenn es heiß ist, und kann dich verbrennen. Die anderen Flüssigkeiten können sofort überprüft werden.

Halte einen sauberen Lappen oder Papiertücher bereit. Du wirst Messstäbe herausziehen und Deckel abwischen.

Die Flüssigkeiten im Überblick

1. Kühlflüssigkeit (Frostschutzmittel)

Wo: Suche nach einem durchscheinenden Kunststoffbehälter in der Nähe des Kühlers. Er ist normalerweise mit MIN/MAX- oder LOW/FULL-Linien gekennzeichnet und über einen kleinen Schlauch mit dem Kühler verbunden.

So prüfst du: Schau dir bei kaltem Motor den Füllstand an den seitlichen Markierungen an. Er sollte zwischen MIN und MAX liegen.

So füllst du nach: Nimm den Deckel des Ausgleichsbehälters ab (nicht den Kühlerdeckel) und fülle vorgemischte 50/50-Kühlflüssigkeit ein oder mische Kühlmittelkonzentrat zu gleichen Teilen mit destilliertem Wasser. Verwende den richtigen Kühlmitteltyp für dein Fahrzeug – dein Betriebshandbuch gibt diesen vor.

WARNUNG: Öffne niemals den Kühlerdeckel oder den Deckel des Ausgleichsbehälters, wenn der Motor heiß ist. Das Kühlsystem steht unter Druck und kochende Kühlflüssigkeit kann herausspritzen und schwere Verbrennungen verursachen.

Worauf du achten solltest: Wenn du wiederholt Kühlflüssigkeit nachfüllen musst, hast du irgendwo ein Leck. Suche nach Pfützen unter dem Auto (grüne, orangefarbene oder rosa Flüssigkeit). Überprüfe auch die Kühlerschläuche auf Risse oder weiche Stellen.

2. Bremsflüssigkeit

Wo: Der Hauptbremszylinder befindet sich auf der Fahrerseite des Motorraums, montiert an der Spritzwand (der Metallwand zwischen Motor und Innenraum). Der Behälter ist ein kleiner, durchscheinender Behälter darauf.

So prüfst du: Schau dir den Stand an den MIN/MAX-Markierungen an. Achte auch auf die Farbe – intakte Bremsflüssigkeit ist klar bis hellgelb. Dunkelbraune oder schwarze Flüssigkeit hat zu viel Feuchtigkeit aufgenommen und muss komplett gespült werden.

So füllst du nach: Öffne den Deckel und fülle die richtige Bremsflüssigkeit mit DOT-Spezifikation nach. In deinem Betriebshandbuch ist DOT 3, DOT 4 oder DOT 5.1 angegeben – verwende genau das, was vorgeschrieben ist. Lass den Deckel so kurz wie möglich geöffnet, da Bremsflüssigkeit Feuchtigkeit aus der Luft aufnimmt.

Worauf du achten solltest: Ein allmählich sinkender Füllstand bedeutet oft, dass sich deine Bremsbeläge abnutzen (normal). Ein plötzlicher Abfall deutet auf ein Leck im Bremssystem hin – das ist ein Sicherheitsrisiko. Wenn sich dein Bremspedal weich oder schwammig anfühlt, lass das System sofort überprüfen.

3. Servolenkungsflüssigkeit

Wo: Nicht alle Autos haben diese – viele moderne Fahrzeuge nutzen eine elektrische Servolenkung, die keine Flüssigkeit benötigt. Wenn dein Auto eine hydraulische Servolenkung hat, suche nach einem kleinen Behälter oder einem Deckel auf der Servopumpe (meistens über einen Riemen an der Vorderseite des Motors angetrieben).

So prüfst du: Manche Behälter sind durchscheinend und haben Füllstandmarkierungen. Andere haben einen im Deckel integrierten Ölmessstab – ziehe ihn heraus, wische ihn ab, stecke ihn wieder hinein und lies den Stand ab. Manche Messstäbe haben sowohl HOT- als auch COLD-Markierungen.

So füllst du nach: Fülle den in deinem Betriebshandbuch angegebenen Servoflüssigkeitstyp nach. Manche Fahrzeuge verwenden ATF (Automatikgetriebeöl) für die Servolenkung – rate nicht, sondern schau im Handbuch nach.

Worauf du achten solltest: Ein Jaulen oder Ächzen beim Drehen des Lenkrads, besonders bei niedriger Geschwindigkeit, deutet oft auf einen niedrigen Füllstand hin. Wenn der Stand weiter sinkt, überprüfe Lenkgetriebe, Pumpe und Leitungen auf Lecks.

4. Automatikgetriebeöl

Wo: Der Getriebeölmessstab befindet sich normalerweise im hinteren Bereich des Motorraums und hat eine andere Grifffarbe als der Motorölmessstab (oft rot oder gelb). Einige moderne Autos haben geschlossene Getriebe ohne Messstab – schau dazu in dein Handbuch.

So prüfst du: Im Gegensatz zu anderen Flüssigkeiten wird das Getriebeöl bei laufendem Motor und Betriebstemperatur geprüft. Ziehe den Messstab heraus, wische ihn sauber, stecke ihn wieder vollständig hinein und ziehe ihn erneut heraus. Lies den Stand an den Markierungen ab.

Worauf du achten solltest: Intaktes ATF ist rosa bis hellrot und riecht leicht süßlich. Dunkelbraune Flüssigkeit oder ein verbrannter Geruch bedeuten, dass das Öl gealtert ist und gewechselt werden muss. Metallpartikel am Messstab deuten auf inneren Verschleiß hin.

So füllst du nach: Fülle den genauen ATF-Typ, den dein Getriebe benötigt, mit einem Trichter über das Rohr des Messstabs ein. Getriebeöltypen sind NICHT austauschbar – die Verwendung des falschen Öls kann das Getriebe beschädigen.

5. Scheibenwaschflüssigkeit

Wo: Ein großer durchscheinender Behälter, meist im vorderen Bereich des Motorraums, mit einem Scheibenwischersymbol auf dem Deckel.

So füllst du nach: Fülle einfach bis oben hin auf. Dies ist die einzige Flüssigkeit, bei der Präzision keine Rolle spielt. Verwende echte Scheibenwaschflüssigkeit, kein einfaches Wasser – sie reinigt besser und friert im Winter nicht ein.

Nach der Prüfung: Auf Lecks achten

Wirf einen Blick unter das Auto. Das bedeuten verschiedenfarbige Pfützen:

  • Klares Wasser (nahe der Beifahrerseite): Normales Kondenswasser der Klimaanlage. Kein Grund zur Sorge.
  • Grün, orange oder rosa: Kühlmittelleck. Überprüfe Schläuche und Kühler.
  • Rot oder rötlich-rosa: Getriebe- oder Servoflüssigkeit. Überprüfe Leitungen und Dichtungen.
  • Klar, ölig, leicht bernsteinfarben: Bremsflüssigkeit. Sicherheitsrisiko – sofort überprüfen.
  • Dunkelbraun oder schwarz: Motoröl. Überprüfe Ölwannendichtung und Ventildeckel.

Profi-Tipps

  • Mache es zu einer monatlichen Gewohnheit. Suche dir einen Tag aus – der Erste des Monats, der Gehaltstag, was auch immer du dir merkst – und überprüfe alle Flüssigkeiten. Es dauert nur 10 Minuten.
  • Bewahre einen kleinen Trichter im Kofferraum auf. Das Nachfüllen von Flüssigkeiten ohne Trichter führt bei manchen Behältern nur zu Frust und Klecksterei.
  • Mische niemals verschiedene Kühlmitteltypen. Grün (IAT), Orange (OAT) und Rosa/Blau (HOAT) verwenden unterschiedliche Korrosionsschutzmittel. Das Mischen kann zum Verklumpen und zu verstopften Kanälen führen.
  • Bremsflüssigkeit nimmt mit der Zeit Feuchtigkeit auf. Selbst wenn der Stand in Ordnung ist, solltest du sie alle 2–3 Jahre wechseln lassen, um innere Korrosion zu verhindern und die Bremsleistung zu erhalten.
  • Trage alles in GarageHub ein. Halte jedes Nachfüllen von Flüssigkeiten mit Datum und Menge fest. So erkennst du Muster – wenn du jeden Monat Kühlflüssigkeit nachfüllst, bahnt sich ein Leck an. Frage Rev nach den spezifischen Flüssigkeitsspezifikationen für dein Fahrzeug.

Häufige Fehler

  1. Den Kühlerdeckel bei heißem Motor öffnen. Das ist der gefährlichste Fehler auf dieser Liste. Warte, bis der Motor vollständig abgekühlt ist. Der Deckel steht unter Druck und heiße Kühlflüssigkeit kann herausschießen.
  2. Den falschen Flüssigkeitstyp verwenden. Nicht alle Bremsflüssigkeiten, Kühlmittel oder Getriebeöle sind untereinander austauschbar. Schau immer in deinem Betriebshandbuch nach der genauen Spezifikation.
  3. Einen sinkenden Füllstand ignorieren. Flüssigkeiten verdunsten nicht (außer Scheibenwaschflüssigkeit). Wenn ein Stand sinkt, liegt ein Leck vor. Finde und behebe es frühzeitig.
  4. Überfüllen. Mehr ist nicht besser. Zu viel Kühlflüssigkeit oder Getriebeöl kann zu Systemschäden führen. Fülle bis zur MAX-Markierung ein, nicht darüber.
  5. Getriebeöl bei ausgeschaltetem Motor prüfen. Im Gegensatz zu Motoröl sollte ATF bei laufendem und warmem Motor geprüft werden. Eine Prüfung bei kaltem Motor liefert ein ungenaues Ergebnis.

Regelmäßige Flüssigkeitsprüfungen sind der einfachste Weg, Probleme frühzeitig zu erkennen. Die meisten größeren Reparaturen beginnen als schleichende Lecks oder allmählicher Qualitätsverlust der Flüssigkeiten, den du bei einem 10-minütigen monatlichen Check bemerken würdest. Eigne dir diese Gewohnheit an und du sparst dir später jede Menge Ärger.