Ein platter Reifen gehört zu den Dingen, mit denen wohl jeder Autofahrer irgendwann konfrontiert wird – und gefühlt passiert es immer im denkbar schlechtesten Moment. Die gute Nachricht: Mit der richtigen Herangehensweise ist das Reifenwechseln ganz einfach und dauert nur etwa 20-30 Minuten. Dieser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch den Prozess, damit du die Situation gelassen meisterst, selbst wenn es dein erstes Mal ist.
Bevor du anfängst
Sicherheit geht vor – immer. Ein platter Reifen am Rand einer viel befahrenen Straße ist eine gefährliche Situation. Deine obersten Prioritäten sind Sichtbarkeit und Stabilität:
- Schalte das Warnblinklicht ein, sobald du merkst, dass etwas nicht stimmt.
- Suche einen ebenen, festen Untergrund abseits des Verkehrs. Ein Parkplatz ist ideal. Fahre auf der Autobahn so weit wie möglich auf den Seitenstreifen.
- Stelle ein Warndreieck oder Warnleuchten auf, falls vorhanden – besonders nachts.
- Wechsle niemals einen Reifen an einer Steigung, auf weichem Boden oder auf der Fahrspur.
Hole deine Ausrüstung zusammen: Ersatzrad, Wagenheber, Radschlüssel und Unterlegkeile. Das alles sollte sich in deinem Kofferraum befinden – falls du das noch nie überprüft hast, tu es am besten jetzt, bevor du sie brauchst.
Schritt für Schritt: Reifen wechseln
1. Fahrzeug sichern
Stelle das Auto auf P (oder lege bei einem Schaltwagen den ersten Gang ein), ziehe die Feststellbremse fest an und platziere Unterlegkeile hinter den Reifen, die dem platten Reifen diagonal gegenüberliegen. Das verhindert, dass das Auto beim Anheben wegrollt.
2. Radmuttern lockern, solange das Auto noch auf dem Boden steht
Das ist der Schritt, den die meisten Anfänger überspringen – und mit dem sie dann zu kämpfen haben. Drehe jede Radmutter mit dem Radschlüssel etwa eine halbe Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn. Das Gewicht des Autos auf dem Boden gibt dir den nötigen Widerstand. Wenn eine Mutter besonders festsitzt, stelle dich vorsichtig auf den Griff des Radschlüssels, um mehr Hebelwirkung zu erzielen. Entferne die Muttern noch nicht ganz.
3. Wagenheber ansetzen und anheben
In deiner Betriebsanleitung findest du die vorgesehenen Ansatzpunkte für den Wagenheber – verstärkte Stellen am Fahrzeugrahmen, die das Gewicht des Autos tragen können. Wenn du die falsche Stelle wählst, kann das den Unterboden beschädigen oder dazu führen, dass der Wagenheber abrutscht. Setze den Wagenheber unter dem richtigen Punkt an und hebe das Fahrzeug an, bis der platte Reifen etwa 6 inches über dem Boden ist.
WARNUNG: Bringe niemals Körperteile unter ein Fahrzeug, das nur durch einen Wagenheber gestützt wird. Wagenheber können nachgeben. Wenn du einen Unterstellbock hast, platziere ihn jetzt als zusätzliche Absicherung.
4. Reifen austauschen
Schraube die Radmuttern vollständig ab und bewahre sie an einem sicheren Ort auf (eine Hosentasche eignet sich gut). Ziehe den platten Reifen gerade ab und lege ihn beiseite – viele legen ihn flach unter den Fahrzeugrahmen als allerletzten Schutz für den Fall, dass der Wagenheber nachgibt.
Hebe das Ersatzrad auf die Radnabe und richte die Löcher an den Bolzen aus. Drehe die Radmuttern von Hand auf. Ziehe sie leicht fest – gerade so viel, dass der Reifen hält. Ziehe sie noch nicht vollkommen fest.
5. Absenken und endgültiges Festziehen
Senke den Wagenheber ab, bis der Reifen den Boden berührt, aber das Gewicht des Autos noch nicht voll darauf lastet. Ziehe nun die Radmuttern über Kreuz (im Sternmuster) fest – das sorgt für gleichmäßigen Druck und verhindert ein Verziehen der Bremsscheibe. Senke den Wagenheber vollständig ab und ziehe jede Mutter noch einmal kräftig im selben Muster fest.
Wenn du einen Drehmomentschlüssel hast, benutze ihn. Die meisten Pkw benötigen 80-100 ft-lbs, aber schau in deiner Betriebsanleitung nach.
6. Überprüfen und weiterfahren
Überprüfe optisch, ob das Ersatzrad richtig sitzt und alle Muttern fest sind. Verstaue alles in deinem Kofferraum, entferne die Unterlegkeile sowie das Warndreieck, und du kannst weiterfahren.
Profi-Tipps
- Überprüfe regelmäßig den Reifendruck deines Ersatzrads. Ein plattes Ersatzrad ist nutzlos. Nimm es in deine saisonale Wartungs-Checkliste auf.
- Kenne die Ansatzpunkte für den Wagenheber, bevor du sie brauchst. Nimm dir an diesem Wochenende 2 Minuten Zeit für deine Betriebsanleitung.
- Noträder haben Grenzen. Die meisten sind für maximal 50 mph und 50-70 miles ausgelegt. Fahre damit keine langen Strecken.
- Nach 50-100 miles nachziehen. Radmuttern können sich nach der ersten Montage setzen. Eine kurze Überprüfung verhindert ein loses Rad.
- Trage es in GarageHub ein. Erstelle eine Aufgabe, um dich an die Reparatur oder den Austausch des platten Reifens zu erinnern, und trage die Montage des Ersatzrads als Wartungseintrag ein, damit du nicht vergisst, dass es montiert ist.
Häufige Fehler
- Versuchen, die Radmuttern erst nach dem Anheben des Autos zu lockern. Das Rad dreht sich dann einfach mit. Lockere sie immer zuerst, solange das Gewicht auf dem Boden liegt.
- Den falschen Ansatzpunkt für den Wagenheber verwenden. Das kann Karosserieteile eindrücken oder, noch schlimmer, zum Abrutschen des Wagenhebers führen. Schau immer in die Anleitung.
- Radmuttern der Reihe nach im Kreis festziehen. Das kreisförmige Festziehen führt zu einem ungleichmäßigen Sitz des Rads. Verwende jedes Mal das Sternmuster.
- Die Einschränkungen des Notrads vergessen. 200 miles mit Autobahngeschwindigkeit auf einem Notrad zu fahren, provoziert geradezu einen Reifenschaden.
- Das Drehmoment nicht erneut überprüfen. Die Radmuttern müssen nach 50-100 miles Fahrt noch einmal kontrolliert werden.
Einen platten Reifen zu wechseln, gehört zum Grundwissen jedes Autofahrers. Wenn du es einmal gemacht hast, verliert es jeglichen Schrecken. Halte dein Ersatzrad aufgepumpt, wisse, wo deine Werkzeuge sind, und du wirst die Situation wie ein Profi meistern.